Willkommen bei Tragaudion e.V.!

Macht Theater. Seit 1993.

Flyer Tschechow

Wir sind zurück!

„Der Bär & mehr von Tschechow“

Tragaudion spielt kleine Komödien im EINSTEIN KULTUR München

Drei Einakter von Anton Tschechow spielt die Starnberger Theatergruppe Tragaudion im Schlossgarten: „Der Bär“, „Der Heiratsantrag“ und „Das Jubiläum“. Drei humoristische Miniaturen, drei verschiedene Regisseure, dreimal absurde bis deftige Komik – ein kurzweiliger Theaterabend zum Neustart!

Nach den erfolgreichen Aufführungen im Schlossgarten Starnberg im Juli (Besprechungen weiter unten) geht es jetzt in München weiter.

Die Aufführungen im Einstein Kultur am 8/9/10. Oktober 2021 beginnen um 20 Uhr. Karten können Sie per email an info(@)tragaudion.de reservieren.

Bitte beachten Sie: Es gilt die 3G-Regel (Einlass nur für Geimpftete, Getestete, Genesene)! Zutritt ins Gebäude und in die Aufführungshalle nur mit medizinischer oder FFP2-Maske. Es herrscht Maskenpflicht am Sitzplatz.

BILDERGALERIE ZU „DER BÄR & MEHR“ MIT FOTOS VON SINA SCHERER – HIER!

Und hier die Rezensionen zu den Aufführungen im Juli:

————-   —————-   ———————

Süddeutsche Zeitung, 25. Juli 2021

Zickenkrieg im Schlossgarten

Die Gruppe „Tragaudion“ setzt beim Starnberger Kultursommer drei Tschechow-Einakter eigenwillig um

Von Katja Sebald, Starnberg

Und nun also Tschechow: Zweimal musste die Starnberger Theatergruppe „Tragaudion“ ihren längst schon legendären „Shakespeare-Sommer“ im Schlossgarten absagen, jetzt konnten die Schauspieler aus Leidenschaft beim Kultursommers am selben Ort wenigstens die drei Einakter auf die Bühne bringen, die sie im Herbst auch in München spielen wollen – sofern ihnen dann nicht wieder Corona einen Strich durch die Rechnung macht.

„Ich habe speziell für die Provinz ein dämliches Vaudevillechen namens ‚Der Heiratsantrag‘ geschrieben und es nach Zensurien geschickt“, bemerkte der große Anton Pawlowitsch Tschechow 1888 in einem Brief. Als „Scherz in einem Akt“ bezeichnete er seine kurzen Theaterstücke, die vor allem von grotesker Überzeichnung, Situationskomik und schauspielerischem Können leben – und auf eindrückliche Weise vor Augen führen, dass nicht selten das Leichte ganz besonders schwer ist. Mit drei verschiedenen Regisseuren, acht Schauspielern und unzähligen Helfern im Hintergrund setzte „Tragaudion“ nun durchaus eigenwillig den „Heiratsantrag“, „Das Jubiläum“ und „Der Bär“ um.

Anders als sonst gab es diesmal kein Stationentheater, bei dem Akteure und Zuschauer gemeinsam durch den Schlossgarten lustwandeln und gleichsam zufällig mal hier, mal da für eine Szene anhalten. Stattdessen wurde auf einer festen Bühne mit denkbar wenigen Requisiten gespielt, das Publikum saß auf locker in der Wiese verteilten Stühlen.

Geblieben ist die Musikantentruppe, die zum Auftakt und zwischen den Stücken spielte. Geblieben sind auch die mit Sorgfalt und Fantasie ausgewählten Kostüme, für die Brigitte Günczler verantwortlich zeichnet. Und geblieben ist natürlich auch die schauspielerische Verve, die „Tragaudion“ seit fast dreißig Jahren auszeichnet. Im „Heiratsantrag“, wie Tschechow ihn im ausgehenden 19. Jahrhundert erdachte, geraten Braut und Bräutigam in heftigen Streit, noch bevor er sie überhaupt fragen kann, ob sie ihn denn heiraten will. Geht es zunächst um die aneinandergrenzenden Besitztümer und die Frage, welcher Familie die „Ochsenwiesen“ gehören, überwirft man sich gleich darauf über die Frage, wer von beiden den besseren Jagdhund hat.

Tobias Ulrich, der hier Regie führte, macht aus dem reichen russischen Gutsbesitzer, der seine Tochter unter die Haube bringen will, einen schrillen Starnberger-See-Schnösel, überzeugend gespielt von Thomas Blasig. Damit nicht genug, lässt er nicht den Nachbarn Ivan, sondern die leicht hysterische Nachbarin Ivana um die exaltierte Tochter des Hauses werben – und aus der Eheanbahnung wird ein furioser Zickenkrieg. Amara Palacios mit der Küchenschürze über dem Brautkleid befeuert die Szene mit ihrem Temperament, sodass sich Åsa Ågren, die mit ihrem schwedischen Akzent auf bezaubernde Weise über Vatersnamen, Liegenschaften und Familienüberlieferungen stolpert, mehr und mehr in Rage redet.

Jan Björn Potthast, der sich als Regisseur mit dem „Jubiläum“ den härtesten Brocken unter den drei Einaktern vorgenommen hatte, lässt seine Schauspieler auf höchst unterhaltsame Weise aneinander vorbei spielen: Tobias Malangré, bewährt in vielen Tragaudion-Hauptrollen, ist als Bankdirektor ebenso überzeugend wie Jürgen Huber als sein Schreiber. Auch die beiden weiblichen Rollen sind mit Patricia Cerny als dauerplappernde Bankdirektorsgattin und Elke Ebert als resolute Bittstellerin durchaus gelungen besetzt.

Die Verlogenheit bürgerlicher Moralvorstellungen führt der Menschenkenner Tschechow in dem von ihm selbst als „Posse“ bezeichneten Einakter „Der Bär“ vor. Amara Palacios spielt nun unter der Regie von Christian Hanselmann die spröde Witwe, die sich an ihrem untreuen, aber mittlerweile verstorbenen Ehemann durch Dauertrauer und Tugendhaftigkeit rächen will – und dann doch dem nächstbesten polternden Rüpel, gespielt von Marcus Meyer, in die Arme sinkt.

—– —— —– —– —– —– —– —–

Nominiert für den Tassilo-Preis der SZ!

Süddeutsche Zeitung, 7. April 2021, 22:08 Uhr

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/tassilo-kompromisslose-theatermacher-1.5257361

Tassilo:

Kompromisslose Theatermacher

Die Inszenierungen der Starnberger Gruppe „Tragaudion“ zeichnen sich durch künstlerischen Anspruch aus. Mehr als 100 Akteure gehörten im Lauf der Jahre zu dem Ensemble, darunter Lichtdesigner Urs Schönebaum und Schauspielerin Johanna Klante

Von Katja Sebald, Starnberg

Erst wurde die geplante Aufführung von Brechts „Mutter Courage“ immer wieder verschoben, im Sommer musste dann auch das als coronataugliche Alternative geplante Freilufttheater im Starnberger Schlossgarten abgesagt werden: „Verlorene Liebesmüh“, so der passende Titel des Stücks von William Shakespeare. Wegen der Pandemie konnte auch die Starnberger Theatergruppe „Tragaudion“ im vergangenen Jahr nicht spielen. Ein paar Tausend Euro hatte das Ensemble bereits in beide Produktionen gesteckt, nun hofft es, diese zwei Stücke in diesem Jahr auf die Bühne bringen zu können. Natürlich geht es auch um Geld, vor allem aber geht es bei „Tragaudion“ um Herzblut und sehr viel Leidenschaft fürs Theater.

Mit einer Open-Air-Aufführung von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ im Schlossgarten hatte 1993 die Erfolgsgeschichte des Ensembles begonnen, das aus einer Theatergruppe am Starnberger Gymnasium hervorgegangen war. Einige Abiturienten waren von ihrer Deutschlehrerin Heidi Altmann so nachhaltig mit dem Theatervirus infiziert worden, dass sie auch nach dem Ende der Schulzeit weiterspielen wollten und deshalb einen Verein gründeten, dessen Name Programm ist: eine Kombination aus Tragödie und Gaudi. Knapp drei Jahrzehnte später kann „Tragaudion“ auf zahlreiche Inszenierungen von Klassikern und Gegenwartsdramen, Lesungen, Musiktheater und immerhin drei Uraufführungen an verschiedensten Spielorten im Fünfseenland und in München zurückblicken.

Schauspieler, Regisseure, Musiker, bildende Künstler, Autoren, Dramaturgen und Filmemacher sind aus den theaterbegeisterten Schülern hervorgegangen, andere sind neben ihrem eigentlichen Beruf nach wie vor aus purer Begeisterung dabei oder erst im Lauf der Jahre dazugekommen. Eine neue Generation der Theaterbegeisterten rückt bereits nach.

Was „Tragaudion“ von einer Laienspielgruppe unterscheidet, ist vor allem der künstlerische Anspruch, bestmögliches Theater zu machen. „Diese Kompromisslosigkeit hat im Lauf der Jahre immer wieder zu Enttäuschungen und auch Reibungen geführt“, gibt Vereinsvorstand Jan Björn Potthast unumwunden zu. Der SZ-Kritiker Egbert Tholl bezeichnete die Truppe einmal als einen „in Teilen semiprofessionellen Haufen ganz großer Theaterenthusiasten“ und bekannte im selben Atemzug, dass er selbst zwei Sommer lang bei „Tragaudion“ mitgespielt habe – in verschiedenen Stücken, aber beide Male im selben Kostüm. Die Erklärung für „semiprofessionell“ lieferte er gleich mit: Das Kostüm sei auch deshalb so schön gewesen, weil es derjenige beleuchtet habe, der später zum Leiter der Beleuchtungsabteilung der Münchner Kammerspiele aufsteigen sollte. Gemeint war Christian Schweig. Weitere prominente „Tragaudion“-Mitstreiter waren der längst international gefragte Lichtdesigner Urs Schönebaum, der Musiker Robert Probst und der Musikwissenschaftler Christian Lehmann, oder die Schauspielerin Johanna Klante. Insgesamt waren im Lauf der Jahre mehr als hundert Mitwirkende am Gelingen der Aufführungen beteiligt, schätzt Potthast.

Neben den ebenso bezaubernden wie originellen, meist als Stationentheater angelegten Shakespeare-Inszenierungen im Starnberger Schlossgarten, der als Lustgarten aus der Renaissancezeit eine geradezu perfekte Kulisse bietet, wagte sich „Tragaudion“ immer wieder an höchst aufwendige und nicht selten auch experimentelle Projekte. 1996 brachte man mit etwa 30 Schauspielern in der alten Feldafinger Turnhalle „Merlin“ von Tankred Dorst auf die Bühne. 1998 folgte am selben Ort die Uraufführung von „Demetrius oder Die Bluthochzeit zu Moskau“ von Friedrich Schiller. 2004 spielte man in der „Antikhalle“ am Ostbahnhof den „Cyrano de Bergerac“, 2009 in Starnberg den „Zerbrochenen Krug“ und 2015 „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Dale Wasserman. Im Jahr 2018 gab es mit der „Hexenjagd“ von Arthur Miller und dem „Hamlet“ im Schlossgarten Starnberg gleich zwei Produktionen, 2019 wurde in München und in Starnberg „Humboldt & Humboldt“ und „Gift“ von Lot Vekemans gespielt.

Unser Programm

Jetzt Tickets bestellen